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Modul 2 D LE 1
Soziologie ist ein Produkt der „Großen Transformation“. Die „Große Transformation“ ist das erste Studienobjekt der Soziologie. Modern bedeutet gegenwärtig, neu, aber auch vorübergehend, jede Epoche erlebt sich als modern. Aus Sicht der Postmoderne steht die Moderne für ewige Wahrheit, Werte und Normen und ein sicheres Geschmacksurteil. Die Große Transformation geht mit drei Revolutionen einher: die ökonomische Revolution in England (Landwirtschaft->Industrie + Rechtsstaat), die politische Revolution in Frankreich (Monarchie->Republik) und die kulturelle Revolution in Deutschland (Kollektivismus->Individualismus). Die Soziologie möchte die „Zeichen der Zeit“ erkennen. Die Menschen sind heutzutage überinformiert und unterorientiert. Zeitdiagnosen funktionieren konstitutiv (natürlich?), kognitiv (wahr?), expressiv (authentisch?) und evaluativ (gut?). Zeitdiagnosen leiden an Adäquanz (Begriffsbildung?), Zeitgeist (Begriffsakrobatik?) und Normativität (Nachprüfbarkeit?).
Karl Marx war der Prophet des Sozialismus. Marx erkannte die notorische Krisenhaftigkeit des reinen Kapitalismus. Seine Zukunftprognose beruhte jedoch auf spekulativer Geschichtsphilosophie und messianischer Fortschrittsmetaphysik und das wusste er auch. Für Marx beruht die Gesellschaft auf dem Kampf zwischen Unterdrückern und Unterdrückten, konkret in seiner Gegenwarz zwischen Burgeoisie und Proletariat. Für Marx (und Engels) war die Burgeoisie selbst durch Revolution an die Macht gekommen, indem sie die feudal-ständischen Verhältnisse zerstört, die Technik revolutioniert eine international einheitliche Zivilisation geschaffen hatte. Marx (und Engels) erwarteten eine vergleichbare Revolution aufgrund der erwarteten Entwicklung des Proletariats (Ausbeutung, Entfremdung, Verelendung->dichotome Klassenstruktur->politische Organisation der Arbeiterklasse ->Klassenkampf). Das Wesen des Menschen ist Arbeit, die sich in Produkten vergegenständlicht, die in arbeitsteiliger Kooperation hergestellt werden. Marx beschreibt vier Formen der Entfremdung: Entfremdung des Menschen vom Produkt, Entfremdung von der eigenen Tätigkeit, Entfremdung der Menschen untereinander, Entfremdung vom Gattungswesen Mensch. Marx entwickelte eine materialistische Geschichtsauffassung: Grundlage der Gesellschaft sind die materiellen Lebensverhältnisse. Die gesellschaftliche Produktion umfasst Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse. Dabei bilden die gesellscahftlichen Verhältnisse die Basis und die politischen, rechtlichen und kulturellen Beziehungen den Überbau. Die Basis ist das treibende Moment, der Überbau das Trägheitsmoment. Dieses Schema nennt Marx die Dialektik von Sein und Bewusstsein. Wenn die Produktionsverhältnisse mit den Produktivkräften nicht Schritt halten, tritt der Bruch zwschen Sein/Basis und Bewusstsein/Überbau zutage. Dieser Konflikt leitet zwangsläufig eine soziale Revolution ein, die zu einem neuen Gleichgewicht führt. Voraussetzung dafür ist allerdings eine ausreichende Entwicklung der Produktivkräfte. Es gibt eine Entwicklungslogik und damit historische Abfolge von Gesellschaftsformationen. Marx wollte beweisen, dass die sozialistische Wissenschaft besser ist als die bürgerliche Wissenschaft, dass der wissenschaftliche Sozialismus besser ist als ein spekulativer Sozialismus und die radikale Gesellschaftskritik leine konkrete Transformationsstrategie liefert. Marx plante die Themen Kapital, Grundeigentum, Lohnarbeit, Staat, Außenhandel und Weltmarkt zu betrachten, kam aber über das Kapital nicht hinaus. Er wollte darin die Naturgesetze der kapitalistischen Produktion aufdecken. Waren sind durch ihren Gebrauchswert und ihren Tauschwert bestimmt. Der Tauschwert entsteht durch abstrakte Arbeit, das ist die Verausgabung von „Hirn, Muskel, Nerv, Hand“, gemessen in Arbeitszeit. Der Tauschwert wird in Geld ausgedrückt. Arbeitskraft wird wird gegen Arbeitslohn grundsätzlich äquivalent getauscht. Tatsächlich wird in der Arbeitszeit mehr produziert als es dem Äquivalent des Arbeitslohn entspricht, diese Diskrepanz nennt Marx Mehrwert bzw. Ausbeutung. Die Ausbeutung wird durch Arbeitsteilung und technischen Fortschritt verschärft, da für das selbe Produkt weniger Arbeitszeit benötigt wird. Der Wert der Ware setzt sich zusammen aus konstantem Kapital (Maschinen), variablem Kapital (Arbeitskraft) und dem Mehrwert: W = c+v+m. Der erwirtschaftete Mehrwert ermöglicht die Investition in konstantes Kapital, das damit variables Kapital zunehmend überflüssig macht und technologisch bedingte Arbeitslosigkeit erzeugt (industrielle Reservearmee). Für Marx ist dies der Grundwiderspruch der kapitalistischen Produktionsweise: es wird zwar immer mehr produziert, die Arbeitslosen nehmen die Produkte jedoch immer weniger ab. Die moderne Gesellschaft hat drei Einkommensquellen: Kapitalerträge, Vermietung/Verpachtung und Arbeitslohn (trinitarische Formel).
Émile Durkheim beschäftigte sich mit dem Zusammenhang zwischen Arbeitsteilung und Moral (Solidarität) „auf der Suche nach einer dynamischen und gerechten Sozialordnung“. Er plädiert für institutionellen Individualismus. Er entwickelt Regeln der soziologischen Methode. Untersuchungsgegenstand der Soziologie sind die sozialen Tatbestände (faits sociaux). Äußerlichkeit, Zwanghaftigkeit, Allgemeinheit und Unabhängigkeit sind Merkmale sozialer Tatbestände. Sie existieren außerhalb des individuellen Bewusstseins und müssen anerzogen werden, sie sind sozial verbindlich, treten innerhalb einer spezifischen Gesellschaft allgemein aber nicht universal auf und führen ein vom Individuum unabhängiges Eigenleben. Wer das soziale Leben verstehen will, muss soziale Phänomene beschreiben, erklären und beurteilen. Die Phänomene sollen wie Dinge beschrieben und klassifiziert werden. Funktionalität und Kausalität sollen getrennt analysiert werden um ein Phänomen zu erklären. Die Beurteilung soll normale und pathologische Phänomene unterscheiden, wobei eine allgemeine Verbreitung als normal gelten soll. Durkheim thematisiert den Zusammenhang zwischen Arbeitsteilung und Solidarität. Solidarität besteht für Durkheim, wenn die Werte einer Gesellschaft in ihrer Sozialstruktur und ihren Institutionen zum Ausdruck kommen. Durkheim beleuchtet den Zusammenhang ex negativo indem er pathologische Formen darstellt: anomische Arbeitsteilung, erzwungene Arbeitsteilung und eine „andere anormale Form“ (innerorganisatorisches Koordinationsdefizit). Anomie ist Ausdruck einer Anpassungskrise angesichts eines raschen und tiefgreifenden sozialen Wandels, die durch das Entstehen neuer Regeln beseitigt werden kann. Wenn die Regeln eine soziale Ordnung repräsentieren, die dem aktuellen Moralbewusstsein nicht mehr entspricht, müssen diese mit Zwang durchgesetzt werden, wodurch es zu einer Systemkrise kommt, die nur durch eine grundsätzliche Änderung der Regeln beseitigt werden kann. Durkheim untersucht Selbstmorde, Berufsgruppen und Religion und gleicht damit seine Überlegungen ab. Er sieht die Lösung in einem institutionellen Rahmen, der individuelle Freiheiten gewährt und sichert.
Georg Simmel gehört nicht zur klassischen Triade Marx-Durkheim-Weber. Er wird als Struktursoziologe und Kulturkritiker angesehen. Simmels Thema ist Modernität und Individualität, die Wechselwirkung zwischen Gesellschaft und Kultur. Er untersucht „das Ganze“ anhand eines Fragments. Forschung ist abhängig vom Bezugspunkt, Erkenntnis kann immer nur fragmentarisch, unvollständig, korrekturbedürftig sein, denn sie betrachtet jeweils nur einen spezifischen Ausschnitt der Wirklichkeit. Der Mensch ist ein Grenzwesen in doppelter Hinsicht, er hat Grenzen und er ist Grenze. Grenzen haben heißt sich verorten (über-unter, hinter-vor, usw.). In jedem Menschen berühren sich von verschiedenen Polen ausgehende Richtungen. Paradox: „Wir haben nach jeder Richtung eine Grenze und wir haben nach keiner Richtung eine Grenze“. Jeder Mensch trägt einen tiefsten Individualitätspunkt, für sich und für andere nicht vollständig erkennbar. Erkennbar sind nur Fragmente, die wir zu einem vollständigen, nicht unbedingt richtigen, Bild zusammensetzen. Der Mensch ist zugleich Teil der Gesellschaft (Standbein) und eine individuelle Persönlichkeit (Spielbein). Man tritt dem anderen nie nur in der Rolle gegenüber, die man gerade einnimmt, sondern zugleich als individueller Mensch. Vollkommen wäre eine Gesellschaft, in der sich Individualität und äußeres Dasein der Menschen in Harmonie befinden. Simmel sieht emanzipatorisches Potenzial in Arbeitsteilung, Rollendifferenzierung und Funktionsdifferenzierung. Je größer die Gruppe, desto wahrscheinlicher bilden sich innerhalb der Großgruppe kleine Kreise heraus, wer sich in der Schnittmenge mehrer Kreise befindet, hat einen Zugewinn an Freiheit, da er verschiedene Rollenerwartungen koordinieren muss bzw. kann wodurch Gestaltungsspielräume entstehen. Die Großstadt steht für Tempo (Nerven), Dominanz des Verstandes, Sachlichkeit (Geldwirtschaft) und Rechenhaftigkeit. Die Großstadt verlangt Konformismus und erzeugt zugleich eine individuelle Mentalität. Der Großstädter ist demnach blasiert, reserviert, frei von Zwang, frei sein Leben selbst zu gestalten, zugleich kosmopolitisch. „Indem wir Dinge kultivieren, kultivieren wir uns selbst“. Der Einzelne kommt allerdings der enormen Kultiviertheit der Dinge nicht mehr hinterher.
Max Weber fragt sich, weshalb es gerade im Westen zur industriellen Revolution mit der Folge des Kapitalismus, zur politischen Revolution mit der Folge der Demokratie und zur kulturellen Revolution mit der Folge des Individualismus gekommen ist. Ambivalenzen der Moderne stehen autonomer Lebensführung gegenüber. Soziologie ist eine empirische Wirklichkeitswissenschaft, abzugrenzen von den Geisteswissenschaften, denen es um das Verstehen von Ideen und von den Naturwissenschaften, denen es um das Erklären von Gesetzen geht. Soziologie möchte Verstehen und Erklären. Zunächst müssen Ursache-Wirkungs-Relationen festgestellt werden (Kausalanalyse), dann müssen individuelle Faktoren und deren Bedeutung aufgedeckt werden (individuelle Konstellationsanalsyse), die Entstehung muss historisch erklärt werden (genetische Analyse), davon ausgehend kann eine mögliche Zukunftskonstellation formuliert werden (projektive Zukunftsanalyse. Verstehen ist komplex, aber grundsätzlich nachvollziehbar, Mystik oder Hermeneutik braucht es dazu nicht. Es geht darum, soziales Handeln zu verstehen und in Ablauf und Wirkung ursächlich zu erklären. Soziales Handeln ist menschliches Verhalten, dass die Handelnden mit einem subjektiven Sinn verbinden und auf das Verhalten anderer beziehen. Weber unterscheidet vier Handlungstypen: zweckrational, wertrational, affektuell und traditional. Der zweckrationale Idealtypus kontrolliert Mittel, Zweck, Wert und Folgen seines Handelns vollständig. Der wertrationale Typus kontrolliert, Mittel, Zweck und Wert, blendet jedoch die Folgen seines Handelns aus („der Mensch handelt recht und stellt die Folgen Gott anheim“. Der affektuale Typus kontrolliert nur Mittel und Zweck. Der traditionelle Handlungstypus kontrolliert nur die Mittel („immer schon so gemacht“). Die Wirklichkeit lässt sich nicht vollständig mit Begriffen erfassen. Begriffe sind keine Abbilder der Wirklichkeit, sondern Konstruktionen, die in diversen Abhängigkeitsbeziehungen zu Werten und Perspektiven stehen. Der Idealtypus ist nicht Ziel, sondern methodische Messlatte. Die Analyse selbst ist werturteilsfrei durchzuführen. Die einzigartige Konstellation des Westens sind die Kombination aus rationalem Kapitalismus, rationaler Wissenschaft, rationaler Kunst, rationalem Recht, rationalem Staat, rationaler Bürokratie mit professionell geschultem Fachbeamtentum und freie Lohnarbeit. Rationaler Kapitalismus bedeutet, dass Wirtschaftsakte auf der Erwartung von Gewinn durch das Ausnutzen von friedlichen Tausch-Chancen beruhen. Rationale Wissenschaft meint das Ineinandergreifen von Wissenschaft und Anwendung bzw. Technologie. Rationale Kunst folgt in ihrer Formgebung Gesetzmäßigkeiten (Harmonielehre, Kontrapunkt, Gewölbearchitektur, Perspektiven). Rationales Recht beruht auf strengen Schemata und Denkformen. Ein rationaler Staat mit professionellen Fachbeamten zeigt sich an Gesetzesvorrang und Gesetzesvorbehalt, der wirtschaftliches Handeln kalkulierbar macht. Freie Lohnarbeit bedeutet Trennung von Haushalt und Betrieb, Konsum und Investition. Weber stellt die These auf, dass es eine Wahlverwandschaft zwischen Puritanismus und Kapitalismus gibt. Weber beobachtet, dass Protestanten häufiger als Katholiken Unternehmer oder gebildete Arbeiter sind. Tüchtigkeit im Beruf stellt eine Brücke zwischen Religion und Wirtschaft her. Lutherische Frömmigkeit zielt auf eine gottgewollte mystische Gefühlskultur (sola fide), der Calvinismus legt dagegen gottgewirktes, asketisches Handeln und eine methodisch-rationale Lebensführung nahe (fides efficax). Zum asketischen Protestantismus zählen Calvinismus, Pietismus, Methodismus, Täuferbewegung: kein Prediger, kein Sakrament, keine Beichte sichert das Seelenheil, der Mensch muss auf gottgefällige Lebensführung setzen um auf Gnade hoffen zu dürfen vor einem deus absconditus, der frei und willkürlich entscheidet. Der Umgang mit dem Dogma ist jedoch nach Richard Baxter pragmatisch: Jeder hat sich für erwählt zu halten, Zweifel sind des Teufels. Rastlose Berufsarbeit hilft, sich zu vergewissern, zu den beati electi zu gehören. Statt sich dem Schicksal zu ergeben, besteht eine Pflicht zur Selbst- und Weltbeherrschung. Der Puritanismus verurteilt den Genuss des Reichtums, nicht die Anhäufung an sich. Arbeitsteilung und Spezialisierung steigern die Arbeitsleistung, Armut ist ein Zeichen des Teufels. Der einmal eingerichtete Kapitalismus kommt dann ohne den puritanischen Geist aus. Wissenschaft und Politik sind Sphären eigenen Rechts. Nur wenige können aus Wissenschaft in Deutschland einen Beruf machen, der Rest endet als akademisches Proletariat. Verständnishandeln geht zurück, Menschen tun seltener etwas, das sie genau verstehen, stattdessen findet Einverständnishandeln statt: die Menschen benutzen Technik, die sie nicht verstehen. Aber: die Menschen wissen, dass sie es jederzeit erfahren könnten: das ist die Entzauberung der Welt. Wer Politik treibt, erstrebt Macht. Es gibt Gelegenheitspolitiker, nebenberufliche Politiker und Berufspolitiker. Berufspolitiker leben für oder von der Politik. Um für die Politik zu leben, muss man wirtschaftlich unabhängig sein. Herrschaft funktioniert nicht ohne Verwaltung. Es gibt Fachbeamte, die sine ira et studio arbeiten, und politische Beamte, die cum ira et studio arbeiten. Es gibt charismatische und verantwortungsvolle Politiker. Die Charismatiker sind dynamisch aber gefährlich, die Verantwortungspolitiker drohen in Routine und Stagnation zu verfallen. Der Idealtyp des Politikers ist daher für Weber gesinnungsethisch inspiriert aber verantwortungsethisch diszipliniert. Der Kapitalismus treibt Säkularisierung und Entzauberung voran und bedient sich dabei der Rationalisierung. Dies geschieht auf institutioneller Ebene: die Religion wird ins Irrationale abgedrängt, auf ideeller Ebene: die Menschen richten ihr Leben an säkularen Zielen aus und auf inter- und intrainstituioneller Ebene: die religiöse Sphäre wird durch Wertsphären von Wirtschaft und Politik ersetzt. Werte und Regeln einer Spähre lassen sich nicht (mehr) in eine andere übersetzen, die Folge sind Wertkonflikte im Zuge der Ausdifferenzierung der Lebensbereiche. Die Heterogenität der Werte ist das spezifische Kennzeichen der Moderne.
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veganes Kokos-Mandel-Eis, Ninja Creami

Zutaten
60g Marzipan-Rohmasse
20g Zucker
90g weißes Mandelmus
200ml Kokosmilch
kl. Handvoll grobe Kokosflocken
Zubereitung
Marzipan-Rohmasse in kleine Stücke schneiden, zusammen mit den weiteren Zutaten außer den Kokosflocken in einen Becher geben, mit dem Schneidermesse des Zauberstabs vermischen, ggf. Hafermilch o.ä. ergänzen falls zu wenig Masse. In einen Ninja-Creami-Becher bis zur Markierung einfüllen. 24 Stunden durchfrieren lassen.
Mit der „Eiscreme“-Funktion der Ninja Creami auffräsen, ggf. Respin, falls die Masse noch krümelig ist, Kokosflocken in der Mitte des Eisblocks einfüllen, ein paar Flocken übrig lassen, mit der „Extras“-Funktion untermischen. Eis zu Kugeln formen und mit übrigen Kokosflocken bestreuen.
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Veganes Scholokadeneis, Ninja Creami

Zutaten
3-4 sehr reife Bananen
2 gestr. Esslöffel dunkles Kakaopulver (Backkakao)
45g Panela
Zubereitung
Bananen schälen und in Scheiben schneiden, mit Panela mischen, ca 15 stehen lassen, dann Kakaopulver hinzugeben und vermischen. In einen Ninja-Creami-Becher füllen und gut andrücken, so dass keine Luft eingeschlossen wird, Masse glattstreichen. 24 Stunden im Tiefkühler durchfrieren lassen.
In der Ninja-Creami-Maschine mit der Fuktion „Sorbet“ auffräsen, ggf. ein oder zweimal zusätzlich Re-Spin wählen, falls die Masse noch krümelig ist.
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Berlin, Martin-Gropius-Bau: Marina Abramović: Balkan Erotic Epic.
Einen Besuch wert
Im Detail:
**Einführung: Ein Wandtext erläutert kurz, wer Marina Abramovic ist, was sie gemacht hat, und dass es hier um den Blick auf den Balkan als vermeintlich rückständige und in Volksmythen verhaftete Region geht**Benutzerführung: die Ausstellung gliedert sich in zwei Äste, die vom ersten Raum nach links und nach rechts wegführen, die Reihenfolge scheint ohne Belang. In jedem Fall geht man die Äste bis zum Ende und dann wieder zurück zum Ausgangspunkt, an dem man so immer wieder Station macht.
**Aufstellung/Hängung: Video- und andere Installationen, eine Live-Performannce
**Umfang: Die Ausstellung ist nicht sehr groß, einige der Videos haben eine vergleichsweise lange Laufzeit. 1,5 Stunden sollten ausreichen.
**Inhalte: Mitschnitte und Artefakte aus historischen Performances, neue Arbeiten sind hauptsächlich Videos bzw. Video-Rauminstallationen, es geht im weiteren Sinne um Folklore, Fruchtbarkeit, den Balkan**Hintergründe: In den frühen Performances ging es vielfach um Abramovic selbst: als Körper, als Frau, als Künstlerin. Dann wandte sie sich ihrer Herkunftsregion, dem Balkan, zu und setzt sich nun mit Zuschreibungen, Vorurteilen und Stereotypen auseinander.
Anders als diese Ausstellung, die ich am selben Tag gesehen habe, scheint es hier nicht erforderlich, sich dazu zu positionieren, was für diese Ausstellung eigentlich eine Frau ist. Ich überrasche mich selbst damit, dass ich das irgendwie altbacken finde, in seiner binären Eindeutigkeit. Das ist nicht die Marina Abramovic, wie ich sie zu kennen glaube, mir vielleicht auch wünsche, die „Zuschreibungen, Vorurteile und Stereotypen“ hinterfragt und hervorhebt. Auf seltsame Art ist mir auch die Videotechnik zu perfekt. Wäre die Künstlerin ein Mann, würde ich das ganze als „Alterswerk“ mit etwas viel nackten Brüsten abhaken. Schade.
**Architektur: Der Martin-Gropius-Bau ist ein ehemaliges gründerzeitliches Kunstgewerbemuseum.
**Extras: https://www.berlinerfestspiele.de/gropius-bau/programm/2026/ausstellungen/marina-abramovic im Herbst eröffnet noch eine Bühnenproduktion, die die Ausstellung fortsetzt**Daten: 25.4.-23.8.2026, auf der Bühne ab Oktober 2026
**Fazit: Ich bin enttäuscht, trotzdem bin ich froh, dort gewesen zu sein und fand es durchaus gedankenregend. -
Berlin, Museum für Fotografie: Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografinnen

Wenn man eh in der Nähe ist
Im Detail:
**Einführung: kurzer Einführungstext an der Wand**Benutzerführung: Unklar. Nach der alten Museologenregel „von links oben nach rechts unten“ bin ich links rum gegangen – die ausgelegte Broschüre „in leichter Sprache“ hatte die Kapitel durchnummeriert und und wäre rechtsrum gegangen. Einige Exponate werden durch von Schülerinnen gesprochene Texte ergänzt, die man via QR-Code hören kann.
**Aufstellung/Hängung: großenteils moderne Prints, ein paar zusätzliche Objekte (Halbkugelspiegel, Kameras).**Umfang: ein großer Saal, mit Stellwänden in verschiedene Kabinette gegliedert, daneben ein kleinerer Saal mit aktueller künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Thema, 1 Stunde reicht um alles in Ruhe zu sehen.
**Inhalte: Fotografien, die von Studentinnen des Bauhaus in deren Bauhauszeit und von Studentinnen des Institure of Design in Chicago (New Bauhaus) in deren Studienzeit angefertigt wurden, teilweise Studienarbeiten der Fotografieklasse, teilweise eigene Sujets der Fotografinnen, darunter (Selbst-)Portraits, Fotografien der Bauhaus- und anderer Architektur und Straßenszenen aus verschiedenen Ländern. Die Fotografien sind durchweg gelungen und interessant, manchmal lustig.Was mir auffällt: die Menschen auf den Bildern, egal ob arm oder gut situiert, Arbeiter oder Studentinnen, tragen duchweg passende Kleidung, in dem Sinne, dass die Kleidung ihnen tatsächlich passt. Es handelt sich vermutlich entweder um auf Maß gefertige oder jedenfalls passend geänderte Kleidung aus Zeiten vor Elasthan und Gummibund.
**Hintergründe: Am Bauhaus gehörte Fotografie zu den künstlerischen Ausdrucksformen die vermittelt wurden, wobei der Anspruch einerseits künstlerisch, andererseits auch auf visuelle Kommunikation im weiteren Sinne abzielte. Insbesondere weiblichen Studierenden wurde die Fotografie als angemessenes Medium angeraten. Die Ausstellung, die zunächst in einem Disclaimer erläutert, dass sie unter Frauen das versteht, was historisch bzw. herkömmlich darunter verstanden wurde, illustriert das Narrativ, dass die fotografierenden Frauen einen neuen Blick, eine neue Perspektive auf sich und ihre Umwelt gerichtet hätten und später zu Unrecht vergessen worden sein. Der Blick ist tatsächlich neugierig und zeigt Frauen, die für uns fast gegenwärtig, für damalige Verhältnisse aber sehr modern wirken.
Zu Unrecht vergessen gilt vor allem für die Fotografin Lucia Moholy, von der viele der heute ikonischen Fotografien der Bauhaus-Gebäude stammen. Walter Gropius hatte die Negative dieser Fotografien an sich genommen und Moholy gegenüber angegeben, diese seien im Krieg zerstört worden. Moholy musste sich sowohl die Anerkennung ihrer Urheberrechte als auch die Rückgabe der Negative vor Gericht erstreiten. Moholy sah das Bauhaus im Rückblick kritisch und wurde erst im 21. Jahrhundert für ihre Leistungen gewürdigt.
Viele andere der Fotografinnen waren später durchaus erfolgreich – nicht unbedingt nur als Fotografinnen und eher nicht mit einer Verbindung zum Bauhaus. Leider deutet die Ausstellung das nur an und macht die Frauen damit kleiner und unbedeutende als sie in Wirklichkeit sind.
**Architektur: Das Museum für Fotografie befindet sich in einem wilhelminischen ehemaligen Kasino direkt hinter dem Bahhof Zoo.**Daten: 17.04.-04.10.2026
**Fazit: Auf jeden Fall interessant anzusehen, aber nicht mind blowing. -
Banane-Mohn-Eis Ninja Creami

Zutaten
4 sehr reife Bananen, in kleinen Stückchen
1-2 El Zucker
1-2 El Backmohn
Zubereitung
Bananenstücke abwechselnd mit Mohn und Zucker in die Creami-Becher füllen, zusammendrücken, so dass keine Luft eingeschlossen wird (ergibt einen Becher). 24 Stunden durchfrieren lassen, mit „Sorbet“ fräsen, ggf mit re-spin.
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Berliner Klavierfestival 2026. Marc-André Hamelin
Marc-André Hamelin spielt Haydns Sonata Hob XVI:37, Zappas Ruth Is Sleeping, Wolpes Passacaglia, Oswalds TIP, Medtners Improvisation Nr. 1 und Danza festiva, Rachmaninows Étude-Tableau und Sonate Nr. 2.
Letzter Abend des Festivals. Das Publikum ist, wie im letzten Jahr, merklich jünger und mehr Fan als an den anderen Abenden. Wir sind früh im Konzerthaus und starten den Abend mit einem Aperitiv. Meine „neuen Freunde“ auf den umliegenden Sitzen sind auch schon da. Wir tauschen uns über die bisherigen Konzerte aus: welcher Abend war der beste, wer ist der beste Pianist?
Vor dem letzten Konzert meine ich: von Eckardstein hatte das beste Programm, Sudbin hat die beste Orchestersimulation erzeugt und Skrjabin sensationell interpretiert. Sophia Liu hat mich mit Rhytmus und Timing überzeugt, Steven Hough mit seinem perfekten Spiel und seiner Wandlungsfähigkeit. Jetzt also Hamelin.
Auch dieses Konzert startet mit einem Klassiker der Klavierliteratur, einer Haydn-Sonate. Falls Hamelin das zum Einspielen braucht, lässt er es nicht nicht anmerken, die Interpretation ist perfekt. Es folgen drei Stücke, die mir unbekannt sind, die selten gespielt werden und mit denen der Pianist vermutlich nicht nur das Publikum sondern auch sich selbst herausfordern möchte. Die perkussive Klangcollage Ruth is Sleeping komponierte Frank Zappa an einem Synclavier, das es ermöglichte, Musik direkt auf eine Festplatte einzuspielen und in Form von Samples auszugeben. Hamelin spielt das Stück auf einem klassischen Konzertflügel von Yamaha, benötigt allerdings die Notation auf einem Tablet für seine Aufführung.
Das gilt auch für die Passacaglia von Stefan Wolpe. Das ist klassische Zwölftonmusik, aber in eine strenge und verschlungene Form gebracht. Hamelin macht die komplizierte Linienführung hörbar, es ist faszinierend, das würde ich gerne noch öfter hören und es besser zu verstehen.
Eine weitere Klangkollage, TIP, stammt von John Oswald, eine Art Bob Dylan der Instrumentalmusik. Er selbst nennt seinen Stil Plunderphonics, fügt Fragmente bestehender Kompositionen aller Genres bruchlos in- und übereinander und erzeugt so einen Strudel aus Wiederkennen, Bekanntvorkommen und neuer Dynamik, die merkwürdig anrührend ist. Sehr eigen, auch das würde ich gerne noch ein paarmal hören.
Nach der Pause folgt dann der physisch kräftezehrendere Teil des Programms: Medtner und Rachmaninov, romantische Klaviermusik wie sie sein soll, zwischen leise träumend und laut grollend, dabei virtuos und rauschhaft, Hamelin wirkt ganz zuhause und bei sich, spielt mühelos, präzise, differenziert und zugleich enthusiastisch und mitreißend.
Das Publikum, unter das sich wohl auch Chen Zhang mit Basecap inkognito gemischt hat, rastet für Berliner Verhältnisse aus und wird mit drei Zugaben belohnt. Ein fulminanter Schluss eines grandiosen Festivals. Eindeutig der beste Pianist von allen.

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Berliner Klavierfestival 2026. Stephen Hough
Stephen Hough spielt Schuberts Klavierstück D 946 Nr. 2, Brahms‘ Klavierstück op. 118 Nr. 6, Schönbergs Kleine Klavierstücke op. 19, Beethovens Sonate Op. 53 „Waldstein”, Schumanns Carnaval und Sherman-Houghs Mary Poppins Suite.

Schumanns Carnaval ist eine längere Reihe sehr kurzer Charakterstücke, die fiktive und reale Persönlichkeiten darstellen, die Schumann zu einem musikalischen Maskenball zusammenkommen lässt. Stephen Houghs zweiter Auftritt ever beim Berliner Klavierfestival ist ein Recital, das aus einer Reihe sehr kurzer und relativ kurzer Stücke bzw. Sätze besteht, die Hough um Schumanns Carnaval quasi herumbastelt.
Schuberts Klavierstück Es-dur D 946 Nr. 2 beginnt ruhig und zart, harmlos und melancholisch, fast wie ein Wiegenlied. Hough spielt mit ruhiger Hand, scheint die Hände kaum von den Tasten zu heben, das Instrument zu streicheln – das bleibt so in dem aufgewühlten, kraftvollen Mittelteil: Hough ist die Ruhe selbst, erzeugt die unterschiedlichsten Stimmungen, Tempi , Dynamik mit kaum merklicher Bewegung seiner Hände. Sein Spiel ist die totale Kontrolle des Instruments, hier passiert nichts mit Schwung oder Pathos, sondern mit ruhiger Selbstverständlichkeit (diese Aufnahme mit Sokolov wirkt dagegen direkt hektisch), scheinbar anstrengunglos der Übergang in den verträumten Schlussteil. Danach kräftiger Applaus im kleinen Saal. Der Pianist wirkt fast irritiert ob der Unterbrechung.
Es folgt das Brahmsintermezzo op. 118 Nr. 6 über das Dies-irae-Motiv, das auch schon am Dienstag gespielt wurde und das ich in seiner schaurigen Grundstimmung sehr gerne mag. Daran schließen sich mit nicht mehr als einem knappen Atemzug und ohne Zwischenapplaus die kleinen Klavierstücke von Arnold Schönberg an, weniger melodisch, dafür ähnlich schaurig-gruselig und spannungsgeladen, das passt überraschend gut zu einander und schließt dann vor der Pause mit der Waldsteinsonate ab. Den ersten Satz nimmt Hough in einem zügigen Tempo, auch hier extrem bewegungsökonomisch bei genauer und facettenreicher Klanglichkeit. Hier sitzt einfach alles. Nach dem ersten Satz hält das Publikum nicht länger durch und applaudiert anhaltend.
Nach der Pause dann er eigentliche Carnaval. Das ist ein Bravourstück für Hough, in dem er seine unfassbare Wandlungsfähigkeit in den kleinen Miniaturen zeigen kann, die er unprätentiös hintereinanderreiht. Auf den Davidsbündlermarsch folgen wieder direkt anschließend drei Adaptionen der Mary-Poppins-Filmmusik von 1964 von Richard Sherman, die Steven Hough für Lang Lang und dessen Disney-Programm arrangiert hat. Der letzte Satz supercalifragilisticexpialidocious, lässt sich mit „Reminszenz an die Waldsteinsonate“ treffend übersetzen. Ein Glück, dass in England niemand den Unterschied zwischen E- und U-Musik versteht.
Lang anhaltender Applaus, der Pianist wird wieder und wieder auf die Bühne geholt und spielt schließlich als Zugabe einen Chopin-Walzer. Trotz der bekannt sauerstoffarmen Luft in der zweiten Konzerthälfte, und einem Glas Wein in der Pause statt des üblichen Koffeinschubs, könnte es für mich so noch stundenlang weitergehen. Wir verabschieden uns von F. und erfreuen uns stattdessen zuhause noch an Houghs Most Favourite Things.
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Berliner Klavierfestival 2026. Sophia Liu
Berliner Klavierfesteival 2026. Sophia Liu spielt Tschaikowski-Pletnevs Nussknacker-Suite, Liszt‘ Sonetto 123 del Petrarca und Réminiscenses de Norma, Chopins Études op. 10, Nocturne op. 9 Nr. 3 und Ballade Nr. 1, sowie Variationen auf ‘Là ci darem la mano’.

Diesmal begrüßen mich die Siznachbarn schon mit freundlichem Nicken, als ich meinen Platz in der linken Seitenreihe ansteuere. Wir vergewissern uns, dass der Besucher, der in den Zugaben gerne quasselt, heute nicht da ist, tauschen uns über die Programme der letzten Tage aus. Die Herren links von mir freuen sich auf Chopin und bitten um Handyhilfe beim Stummschalten.
Sophia Liu kommt auf die Bühne. Ich wusste ja dass sie jung ist, aber meine Güte, in echt wirkt sie noch jünger als auf dem Foto im Programm, gekleidet in eine glitzernde weiße Tüllwolke. Die Klavierbank ist sehr hoch eingerichtet, sie schraubt sie noch etwas höher – und setzt sehr bestimmt und deutlich zur Orchestertranskription der Nussknacker-Suite von Pletnev nach Tschaikowski an. Ich war nicht so begeistert, dass noch eine Fondanttorte auf dem Programm steht: Hätte Tschaikowski ein Stück für Klavier schreiben wolllen, hätte er… Gerade im Vergleich zu Sudbin entsteht hier allerdings nie der klangliche Eindruck eines Orchesters. Eher könnte man auf die Idee kommen: das ist ein Stück, das am Klavier komponiert wurde (was durchaus naheliegend ist) und das Tschaikowski dann für Orchester adaptiert hat. So tänzerisch, so ein timing, so präzise rhythmisch könnte das ein Orchesterapparat kaum realisieren. Dabei ist deutlich zu merken, wie sich die Pianistin von Satz zu Satz steigert. Vielleicht wäre ihr anzuraten, künftig auch erst einmal eine Mozartsonate zum Einspielen vor das Progrann zu spannen.
Es folgen das Petrarca-Sonett von Liszt, das auch am Dienstag schon auf dem Programm stand, danach die Reminiszenz an Norma, gespielt vielleicht ein bisschen weniger virtuos und klanglich weniger differenziert, dafür mit Druck, Wucht, Rhythmus, sehr beeindruckend.
In der Pause stärke ich mich mit Kaffee, F. stärkt sich mit Sekt, da werden wir von L. überrascht, der hier gerade im Gästeservice arbeitet und uns sanft ermahnt, dass es in wenigen Minuten weitergeht. Ich hatte ihn schon am Donnerstag im Rang erspäht und dann wieder aus den Augen verloren. Schön!
Nach der Pause folgen eine Reihe von Chopinetüden. In ihrer Jugend waren das die Paradestücke meiner Großmutter gewesen. Als ich sie kannte, war an die dazu notwendige Fingerfertigkeit vermutlich seit Jahrzehnten nicht mehr zu denken. Sie trauerte den Stücken dennoch weiter nach. Nocturne und Ballade interpretiert Sophia Liu wie die Etüden kompetent, flüssig und präzise, vielleicht etwas glatt.
Großer Höhepunkt des Abends sind für mich – neben dem Liszt – die Variationen über ein Don-Giovanni-Thema, das ist mitreißend, kraftvoll und teilweise einfach amüsant, man mag nicht glauben, dass das eine Siebzehnährige interpretiert.
Das Publikum, zurecht begeistert, erklatscht sich drei Zugaben, zwei Walzerbearbeitungen und ein Marsch – Sophie Liu kennt ganz offensichtlich ihre Stärken wenn es um Rhythmus und timing geht, standing ovations am Ende. Von dieser Pianistin wird noch zu hören sein.
Weil sich Gendarmenmarkt und das Konzept gemütliche Kneipe irgendwie ausschließen, fahren wir anschließend an den Potsdamer Platz, wo es natürlich auch keine genütlichen Kneipen gibt, aber immerhin finden wir im Lindenbräu einen ruhigen Sitzplatz und ordentliches Bier mit freundlichem Service.
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Berliner Klavierfestival 2026. Yevgeny Sudbin
Berliner Klavierfestival 2026. Yevgeny Sudbin spielt Bachs Fantasie & Fuge a-Moll BWV 904, Skrjabins Sonate Nr. 10 op. 70, Chopins Ballade Nr. 4 f-Moll op. 52, Bach-Rachmaninovs Prélude, Gavotte & Gigue aus der Violin-Partita Nr. 3, Scalattis Sonaten K. 466, K. 208 und K. 455 und Tschaikowski-Sudbins Fantasie-Ouvertüre zu Romeo & Julia.>Ich sitze wieder im auf Platz 5 in der Seitenreihe des kleinen Saals des Berliner Konzerthauses. Beim Ankommen werde ich von den Sitznachbarn freundlich begüßt. Der Mensch, der am Dienstag während der Zugabe quasselte, ist leider auch wieder da. Der andere, der ihn zurechtwies, ebenfalls.

Yevgeny Sudbin kommt deutlich selbstbewusst auf die Bühne, ruckelt dann aber erstmal länglich an der Klavierbank herum und fängt dann unvermittelt an zu spielen. Meiner Klavierlehrerin hätte das gefallen: ein kerniger Sound, ein bisschen inbrünstig, sorgfältig alle Mittelstimmen gebunden, alles richtig gemacht – sie hätte allerdings die Hände nicht vor dem Pedal gelöst. Mir kommt der Gedanke, dass diese ersten Programmpunkte den Pianisten dazu dienen sollen, sich und das Instrument im vollen Saal zu kalibrieren. Wie am Dienstag ist das ein bisschen brav, ein bisschen sehr „I could do it standing on my head“ (oder wie mein Sitznachbar in der Pause sagte: der Bach war genauso schlecht wie am Dienstag der Mozart).
Es folgt die „Insektensonate“ von Skrjabin. Ich hab mittlerweile weiter im Soziologieskript gelesen, und vom Problem der scheinbar ewigen Moderne, die in einigen Punkten seit dem 19. Jahrhundert konsistent und unverändert ist (Lohnarbeit und Kapitalerträge), in anderen Punkten (Ästhetik) zunehmend zersplittert und zerfasert, so dass kaum noch von ästhetischen Epochen, sondern von Individualismus gesprochen werden muss. Die Sonate verkörpert genau das: keine klassische Sonatenform, weder wirklich dissonant noch ernsthaft atonal, keine Programmmusik, keine Lautmalerei, und zugleich doch all das und auch wieder nicht. Der Pianist beherrscht das volle klangliche Spektrum: flirrende Triller, zartgetupfte Gesten, flächige Klangteppiche, stechende Akkorde, tänzerische Rhythmen, wie zufällig aneinandergereihte Einzelnoten.
Die Chopin-Ballade ist dagegen näher an den Hörgewohnheiten und wirkt im Kontrast leicht konsumierbar, ist vermutlich auch deutlich bekannter, das Publikum ist begeistert (ich auch, aber der Skrjabin war schon deutlich interessanter).
Nach der Pause folgen drei Scarlatti-Sonaten, die der Pianist im Programmheft als seine Kuscheldecke bezeichnet. Anders als bei dem Bach zu Beginn des Recitals bedeutet das aber nicht, dass der Pianist sich im Konventionellen ausruht, im Gegenteil, hier nimmt er sich alle Freiheiten der Umsetzung und spielt mit dem Notentext, es ist eine helle Freude.
Den Abschluss bildet die Transkription des Pianisten der Fantasie-Ouvertüre von Tchaikovskis Romeo & Julia. Das ist furios, Sudbin erzeugt scheinbar mühelos die Klangwelt und den druckvollen Klang eines großen Orchesters. Es ist wirklich beeindruckend. Leider geht es mir damit ein bisschen wie mit Torten in Form von Polizeiautos: ich kann die handwerkliche Konditorkunst wertschätzen, die eine perfekte Illusion erzeugen kann, beeindruckender finde ich aber etwas, das sich selbst in neuer, ungewohnter oder einfach herausragender Form zeigt. Es gibt standing ovations, Bravo-Rufe, und: sehr ungewöhnlich in Berlin: ein paar Leute trappeln mit den Füßen.
Als Zugabe holt der Pianist seinen kleinen Sohn Alik auf die Bühne. Vierhändig spielen sie eine Bachbearbeitung, das ist sehr anrührend.