
Wenn man eh in der Nähe ist
Im Detail:
**Einführung: kurzer Einführungstext an der Wand
**Benutzerführung: Unklar. Nach der alten Museologenregel „von links oben nach rechts unten“ bin ich links rum gegangen – die ausgelegte Broschüre „in leichter Sprache“ hatte die Kapitel durchnummeriert und und wäre rechtsrum gegangen. Einige Exponate werden durch von Schülerinnen gesprochene Texte ergänzt, die man via QR-Code hören kann.
**Aufstellung/Hängung: großenteils moderne Prints, ein paar zusätzliche Objekte (Halbkugelspiegel, Kameras).
**Umfang: ein großer Saal, mit Stellwänden in verschiedene Kabinette gegliedert, daneben ein kleinerer Saal mit aktueller künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Thema, 1 Stunde reicht um alles in Ruhe zu sehen.
**Inhalte: Fotografien, die von Studentinnen des Bauhaus in deren Bauhauszeit und von Studentinnen des Institure of Design in Chicago (New Bauhaus) in deren Studienzeit angefertigt wurden, teilweise Studienarbeiten der Fotografieklasse, teilweise eigene Sujets der Fotografinnen, darunter (Selbst-)Portraits, Fotografien der Bauhaus- und anderer Architektur und Straßenszenen aus verschiedenen Ländern. Die Fotografien sind durchweg gelungen und interessant, manchmal lustig.
Was mir auffällt: die Menschen auf den Bildern, egal ob arm oder gut situiert, Arbeiter oder Studentinnen, tragen duchweg passende Kleidung, in dem Sinne, dass die Kleidung ihnen tatsächlich passt. Es handelt sich vermutlich entweder um auf Maß gefertige oder jedenfalls passend geänderte Kleidung aus Zeiten vor Elasthan und Gummibund.
**Hintergründe: Am Bauhaus gehörte Fotografie zu den künstlerischen Ausdrucksformen die vermittelt wurden, wobei der Anspruch einerseits künstlerisch, andererseits auch auf visuelle Kommunikation im weiteren Sinne abzielte. Insbesondere weiblichen Studierenden wurde die Fotografie als angemessenes Medium angeraten. Die Ausstellung, die zunächst in einem Disclaimer erläutert, dass sie unter Frauen das versteht, was historisch bzw. herkömmlich darunter verstanden wurde, illustriert das Narrativ, dass die fotografierenden Frauen einen neuen Blick, eine neue Perspektive auf sich und ihre Umwelt gerichtet hätten und später zu Unrecht vergessen worden sein. Der Blick ist tatsächlich neugierig und zeigt Frauen, die für uns fast gegenwärtig, für damalige Verhältnisse aber sehr modern wirken.
Zu Unrecht vergessen gilt vor allem für die Fotografin Lucia Moholy, von der viele der heute ikonischen Fotografien der Bauhaus-Gebäude stammen. Walter Gropius hatte die Negative dieser Fotografien an sich genommen und Moholy gegenüber angegeben, diese seien im Krieg zerstört worden. Moholy musste sich sowohl die Anerkennung ihrer Urheberrechte als auch die Rückgabe der Negative vor Gericht erstreiten. Moholy sah das Bauhaus im Rückblick kritisch und wurde erst im 21. Jahrhundert für ihre Leistungen gewürdigt.
Viele andere der Fotografinnen waren später durchaus erfolgreich – nicht unbedingt nur als Fotografinnen und eher nicht mit einer Verbindung zum Bauhaus. Leider deutet die Ausstellung das nur an und macht die Frauen damit kleiner und unbedeutende als sie in Wirklichkeit sind.
**Architektur: Das Museum für Fotografie befindet sich in einem wilhelminischen ehemaligen Kasino direkt hinter dem Bahhof Zoo.
**Daten: 17.04.-04.10.2026
**Fazit: Auf jeden Fall interessant anzusehen, aber nicht mind blowing.
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